Höchst zweifelhafte Vernetzung von Ordo Iuris
- 5. Mai 2017
- 3 Min. Lesezeit
Ordo Iuris, eine Vereinigung von rechtskonservativen, nationalkatholischen Juristen, machte in Zusammenhang mit den Bemühungen um eine radikale Abtreibungsgesetzgebung von sich reden. Sie erarbeitete die neue Gesetzesvorlage, welche die bisherige Kompromissregelung durch ein ausnahmsloses Abtreibungsverbot, einschließlich harter Strafbestimmung für der Abtreibung schuldig befundener Ärzte und Frauen, ersetzen sollte. Auch nachdem die von der Kaczyński-Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) geführte Regierung angesichts massiver Proteste die Vorlage zurückzog, übt Ordo Iuris weiterhin Druck auf die Regierung aus, ein radikales Abtreibungsverbot letztlich doch zu verabschieden. Diesem Ziel diente auch jüngst die Einladung der amerikanischen Juristin und Aktivistin von „pro life“ Rebecca Kiessling zu Vorträgen an polnischen Universitäten. Sie, die aufgrund einer Vergewaltigung eigentlich von ihrer Mutter hätte abgetrieben werden sollen, gilt in Kreisen radikaler Abtreibungsgegner als lebender Beweis dafür, dass selbst in einem solchen Fall die strikte Einhaltung des Abtreibungsverbotes zu gelten habe.
Rebecca Kießling konnte ihre Lebensgeschichte allerdings nur an der Katholischen Universität Lublin sowie an der Päpstlichen Universität Krakau präsentieren. Die nichtkirchlichen Hochschulen des Landes weigerten sich unter Berufung auf ihre rein wissenschaftliche Ausrichtung, Frau Rebecca ein Forum zu bieten, worauf Ordo Iuris drohte, gegen diese Weigerung gerichtlich vorzugehen und Schadenersatz zu fordern.
Angesichts der Aktivitäten von Ordo Iuris lohnt es sich, der Vernetzung dieser Institution nachzugehen. Sie führt in Verbindung mit dem rechtskonservativen Piotr-Skarga-Institut in zwei Richtungen – zu der brasilianischen Sekte „Tradiçuo, Familia e Propriedade“ (TFP) – „Tradition, Familie und Privateigentum“ sowie zu Władimir Jakunin, früherer Mitarbeiter des KGB und ein alter Freund Putins. Nach dem Ende des Kommunismus konvertierte er mit seiner Frau Natalia zur Orthodoxie. Er ist Präses der nationalistischen Stiftung des heiligen Andreas. Zudem forciert er die Bildung von antiwestlich ausgerichteten „Zentren eines weltweiten think tank zur Beilegung von Weltkonflikten“.
Das Piotr-Skarga-Institut erscheint in diesem Netzwerk als vermittelnde Instanz. Es verfügt über das Internetportal PCh24, das sich u. a. unter Berufung auf russische Quellen durch besondere Homophobie auszeichnet. Zudem ist es stark nationalkatholisch geprägt. Bezeichnend ist die Äußerung des Filmemachers und stellvertretenden Chefredakteurs von PCh24 Krystian Kratiuk zu einer möglichen innerkirchlichen Spaltung: „Das Schisma beginnt nicht in Polen. Sollte sich der polnische Katholizismus vom Vatikan lösen, dann ist das die Schuld des Papstes und der westlichen Katholiken. Denn im Westen gibt es die Häretiker. Östlich von Deutschland herrscht Rechtgläubigkeit.“
Die Vernetzung mit der durch Ableger auch in Europa vertretenden TFP zeigt sich vor allem auf der Vorstandsebene. So sind mit Matthias Gero von Gersdorff, Direktor der deutschen Sektion von TFP, und Caio Xavier da Silveira, Mitbegründer von TFP und Präses der französischen Sektion, gleich zwei Führungskräfte der „Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum“ im Vorstand des Piotr-Skarga-Instituts vertreten.
Die Verzahnung von Ordo Iuris mit dem Piotr-Skarga-Institut ist durch Sławomir Oljniczak gewährleistet, der beiden Institutionen als Vorstandsmitglied angehört und zugleich mit der Krakauer Filiale von TFP in engem Kontakt steht.
Vor Warnungen vor einer Vernetzung mit der brasilianischen Organisation FPT hat es nicht gefehlt. Kritisch zu den Aktivitäten der Krakauer Filiale äußerte sich die Kattowitzer Kirchenzeitung „Gość Niedzelny“. In Frankreich befasste sich sogar das Parlament mit TFP und stufte diese Organisation als sektiererisch und pseudokatholisch ein. Eine förmliche Verurteilung erfuhr sie bereits 1985 durch die brasilianischen Bischöfe: „Der esoterische Charakter der Organisation, ihr religiöser Fanatismus, der Kult um ihren Gründer und seine Mutter, der Missbrauch des Namens der Gottesmutter können sich in keiner Weise auf eine Anerkennung der Kirche berufen.“ Die Bischöfe forderten zudem die Katholiken auf, sich nicht TFP anzuschließen und mit dieser Organisation nicht zu kooperieren.
Abschließend ein Beispiel für die russische Vernetzung: 2014 sollte der von Jakunin und seiner Frau Natalia, Vorsitzende der Initiative „Heilige Mutterschaft“, unterstützte „Weltkongress der Familien“ in Moskau stattfinden. Aus Protest gegen die Annexion der Krim und die russische Aggression in der Ukraine sagten die amerikanischen Vertreter ihre Teilnahme ab. Die Moskauer Initiatoren änderten daraufhin den Namen, und der Kongress fand unter dem Motto „Forum kinderreicher Familien und die Zukunft der Menschheit“ statt; auch unter Beteiligung polnischer Vertreter des mit Ordo Iuris engverbundenen Piotr-Skarga-Instituts.
Quelle: Tomasz Piątek, Ordo Iuris, sekta z Brazylii i … dygnitarze Putina, Gazeta Wyborcza vom 07. 04. 2017.
Kommentare