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Papst Franziskus bestätigt „historischen Tugendgrad“ von Primas Hlond

  • 6. Juni 2018
  • 2 Min. Lesezeit

Auf Betreiben des polnischen Episkopats und des Ordens der Salesianer, dem August Kardinal Hlond (1881-1948) angehörte, wurde 1992 der Prozess seiner Seligsprechung eröffnet. Im März 2017 hat die für Seligsprechungen zuständige vatikanische Kommission den „heroischen Tugendgrad“ von Hlond festgestellt. Nachdem Papst Franziskus das Dokument unterzeichnet hat, bedarf es nur noch der Bestätigung eines Wunders, um Primas Hlond in die Schar der Seligen aufzunehmen.

Was wie ein normales kuriales Verfahren anmutet, ist in Wahrheit ein brisanter Vorgang. Und dies aus zwei Gründen – wegen des jahrelangen Widerstandes von deutscher Seite sowie aufgrund des Protestes jüdischer Organisationen.

Die deutschen Bedenken betreffen die Art, mit der Kardinal Hlond im August 1945 die deutschen Ordinarien in den Oder-Neiße-Gebieten unter Berufung auf seine päpstlichen Sondervollmachten zur Resignation drängte und aufgrund eines Dekrets vom 5. August 1945 an ihre Stelle in den fünf Jurisdiktionsbezirken polnische Apostolische Administratoren einsetzte.

Zum Verständnis der damaligen Situation sei gesagt, dass Kardinal Hlond bei Ausbruch des Krieges 1939 wenig heroisch Polen verließ, über Rumänien nach Rom reiste, einige Zeit im Vatikan verblieb, sich dann in Lourdes aufhielt, um wenig später, von den Deutschen verhaftet, im westfälischen Wiedenbrück in einem Kloster interniert wurde. Nach seiner Befreiung begab er sich erneut nach Rom begab und erörterte beim Heiligen Stuhl die pastoralen und kirchenrechtlichen Folgen der in Polen nach Kriegsende entstandenen Lage. Als Konsequenz der Gespräche ernannte Papst Pius XII. den polnischen Primas zum Päpstlichen Legaten und versah ihn mit außerordentlichen Vollmachten in tutto il territorio polacco. Unklar ist, ob sich diese Vollmachten auch auf die aufgrund der Potsdamer Beschlüsse polnischer administration unterstellten deutschen Ostgebiete bezogen und ihn dazu berechtigten, die deutschen Ordinarien zum Amtsverzicht zu nötigen. Ob berechtigt oder nicht, es ist auch in Rechnung zu stellen, dass die damalige Situation aus der Sicht des Primas ein schnelles Handeln erforderlich machte.

Die Meinungsverschiedenheit in dieser Frage belasteten lange die zwischenkirchlichen Beziehungen, und aus Kreisen der katholischen Heimartvertriebenen wurde nun nach Bekanntgabe des Primas Hlond zugesprochenen „heroischen Trugendgrads“ erneut der Vorwurf erhoben, er habe damals seine vatikanische Vollmacht überzogen und sei im Übrigen für die Vertreibung der Deutschen mitverantwortlich.. Eine besondere kirchliche Ehrung stehe ihm daher nicht zu.

Der Protest jüdischer Organisationen gegen eine Seligsprechung Hlonds hat dessen ausgewiesenen Antisemitismus zur Ursache. So sieht das „Komitee Amerikanischer Juden“ in in ihr ein kirchliches Einverständnis „mit Hlonds ungewöhnlich negativer Einstellung zur jüdischen Gemeinschaft.“

Für diese negative Einstellung gibt es zahlreiche Belege. So heißt es in Hlonds Hirtenbrief vom Februar 1936: „Fakt ist, dass Juden die Kirche bekämpfen, dass sie die Avantgarde der Gottlosigkeit, der bolschewistischen Bewegung und des Umsturzes bilden.“ In einem Schreiben zu katholischen Moralprinzipien äußerte er sich wie folgt: „Das jüdische Problem gibt es und wird es weiterhin geben solange Juden Juden sind. […] Sie bekämpfen die Kirche. […] Sie betrügen und bereichern sich, sie betreiben Menschenhandel.“ Hlond sprach sich zwar dagegen aus, gegen Juden Gewalt anzuwenden, doch den von der Nationaldemokratie ausgerufenen Boykott jüdischer Geschäfte unterstützte er.

Auch Hlonds Stellungnahme zum Pogrom von Kielce im Jahr 1946 ist alles andere als eindeutig. Die Morde verurteilte er zwar, verwies aber gleichzeitig darauf, für die wachsende Judenfeindschaft seien die Juden wegen ihrer Kollaboration mit den kommunistischen Machthabern selbst verantwortlich.

Angesichts dieses Befundes wird man fragen dürfen, ob es der polnische Primas verdient, einen „heroischen Tugendgrad“ bescheinigt zu bekommen, geschweige denn, selig gesprochen zu werden.

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