Die Geschichtspolitik von PiS verlangt nach Opfern
- 8. Aug. 2018
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Die Geschichtspolitik der von der Bürgerplattform (PO) geführten Vorgängerregierung war davon bestimmt, gegenüber auch die Schattenseiten der eigenen Geschichte aufzuarbeiten sowie über den eigenen Tellerrand hinaus positive Einflüsse ausländischer Kräfte auf die Geschicke des Landes zu berücksichtigen. Aus der Perspektive der nationalkonservativen Kaczyński-Partei war dies eine „Politik der Scham“ und mit der Würde einer stolzen Nation nicht vereinbar. Daher ihr Bemühen, die Geschichtspolitik der Vorgängerregierung rückgängig zu machen.
Von dieser Korrektur betroffen war u. a. das noch zu Zeiten der liberalkonservativen Regierung unter Donald Tusk gegründete und am 23. März 2017 unter der PiS-Regierung eröffnete Danziger Museum des Zweiten Weltkriegs. Obwohl es über hervorragende Reverenzen international angesehener Historiker verfügte, wurden kurz nach Eröffnung des Museums Direktor Prof. Paweł Machcewicz und sein Stellvertreter Dr. Janusz Marszalec entlassen und das Museum unter dem neuen Leiter Karol Nawrocki entsprechend der Wünsche von PiS und der rechten Medien nach einer heroischen, die Opfer der Polen in den Vordergrund rückenden Gestaltung der Ausstellung umgestaltet.
Der Kampf von PiS gegen die ursprüngliche Konzeption des Museums reicht bis in die Gründungsphase des Museums zurück. So beklagte Jarosław Kaczyński, dass durch eine Universalisierung des Kriegs die polnische Perspektive in den Hintergrund trete, das polnische Martyrium damit im Zentrum der Ausstellung stehe und nicht polnische Einflüsse zu stark berücksichtigt würden. So wurden denn auch u. a. die Anteile kommunistischer Partisanen am Kriegsgeschehen unter dem neuen Direktor beseitigt.
Doch PiS gibt sich nicht mit dem personellen und inhaltlichen Umbau des Museums zufrieden. Im Juli 2016 hatte Kulturminister Glinski seine Beamten nach Danzig entsandt, um das noch von Prof. Machcewicz geleitete Museum zu „durchleuchten“. Sie ermittelten angeblich durch Misswirtschaft bedingte Verluste für die Staatskasse in Höhe von 90 Millionen Zł. Doch eine vom Finanzministerium eingesetzte Kommission sprach Prof. Machcewicz vom dem ihm zur Last gelegten Fehlverhalten frei. Er kommentiert den Vorgang wie folgt: „Die Vorwürfe des Kulturministeriums wurden über eine längere Zeit im Sejm und Senat sowie in den regierungsnahen Medien verbreitet. Minister Glinski soll sich uns gegenüber für diese Kampagne der Verleumdung und Unterstellung entschuldigen. Ich gebe mich jedoch keiner Täuschung hin, dass er dem nachkommt.“
Doch dabei bleibt es nicht. Der jetzige Museumsdirektor hat gegen Machewicz und Marszalec wegen Überschreitung ihrer Kompetenzen Anklage erhoben. Die Begründung: Der Erwerb zu teurer Regale. Man wird gespannt sein dürfen, welches Urteil in diesem in politischer Absicht geführten Prozess getroffen wird, nachdem PiS durch ihre Justizreform die volle Kontrolle über das Gerichtswesen besitzt. Sollte es nach dem Verlust richterlicher Unabhängigkeit im Sinne von PiS ausfallen, dann wäre Professor Machcewicz das erste Opfer in dem von PiS geführten Kampf gegen die Freiheit historischer Forschung.
Quelle: Estera Fliege, W Muzeum II Wojny wszystko było w porządku: Machcewicz i Marszalec oszyszczeni z oskarżeń Glinskiego (Im Museum des II. Weltkriegs war alles in Ordnung: Machewicz und Marszalec sind von Glinskis Anschuldigungen rehabilitiert), Gazeta Wyborzca v. 08. 08. 2018.
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